Oberarmkopfbruch
- Humeruskopffraktur -

Hier erfahren Sie:
Was ist ein Oberarmkopfbruch ?
Wie entsteht ein Oberarmkopfbruch ?
Wie häufig ist ein Oberarmkopfbruch ?
Welche Typen von Oberarmkopfbrüchen gibt es ?
Was merkt man bei einem Oberarmkopfbruch ?
Wie erkennt man einen Oberarmkopfbruch ?
Wie wird ein Oberarmkopfbruch behandelt ?
Wie ist die Prognose eines Oberarmkopfbruches ?
Gibt es Komplikationen bei Oberarmkopfbrüchen ?
Wie wird ein Oberarmkopfbruch nachbehandelt ?
Welche Risiken hat ein Oberarmkopfbruch ?
Wie beugt man Oberarmkopfbrüchen vor ?
Was ist ein Oberarmkopfbruch ? ( Definition )
Das obere Ende des Oberarmknochens beizeichnet man als Oberarmkopf. Wenn er - z.B. durch einen Sturz - bricht, spricht man von einem Oberarmkopfbruch.

Wie ensteht ein Oberarmkopfbruch ? ( Ätiologie ):
Oberarmkopfbrüche sind häufige Knochenbrüche des menschlichen Körpers ( etwa 5% aller Knochenbrüche ). Sie entstehen meistens durch einen Unfall / Sturz. Oft sind als Unfallmechanismus der Sturz auf den ausgestreckten Arm oder der direkte Sturz auf die Schulter anzutreffen.
Aktivere Patienten verletzen sich z.B. bei Sportarten wie dem Skifahren, Fahrrad- und Motorradfahren. Auch im Reitsport treten Oberamkopfbrüche nach Stürzen vom Pferd regelmässig auf.
Eine begleitende Osteoporose ( Knochenentkalkung ) kann das Entstehen eines solchen Bruches begünstigen.
Manchmal ist ein Tumor / Metastase die Ursache und der Oberarmkopf bricht spontan – ohne äusseres traumatisches Ereignis.
Von den verschiedenen Strukturen des Oberarmkopfes ( kleiner Rollhügel = Tuberkulum majus, grosser Rollhügel = Tuberkulum minus, Oberarmschaft = Corpus humeri und der Kopfkalotte = Caput humeri ) können eine oder mehrere dieser Strukturen von dem Humeruskopfbruch betroffen sein.
Auch die Brüche knapp unterhalb des Oberarmkopfes, die sog. „subkapitalen Humerusfrakturen“ zählt man im Allgemeinen zur Gruppe der Oberarmkopfbrüche.
Wie häufig ist ein Oberarmkopfbruch ( Epidemiologie ):
Am meisten ist die Altersgruppe zwischen dem 60. und 80. Lebensjahr betroffen, weil in diesem Alter Stürze wie auch Tumore eher auftreten.
Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Bei ihnen tritt ein Oberarmkopfbruch etwa doppelt so häufig auf.

Verplattung Oberarmkopfbruch
Welche Typen von Oberarmkopfbrüchen gibt es ? ( Klassifikationen ):
Gebräuchliche Einteilungen für Oberarmkopfbrüche sind die Klassifikationen nach Neer oder der AO ( Arbeitsgemeinschaft für Osteosynthese ).
Die Neer Klassifikation unterscheidet zwischen 2-, 3- und 4 Fragmentbrüchen, sie orientiert sich der Anzahl der Bruchstücke des Oberarmkopfbruches.
Die AO - Klassifikation unterscheidet die Bruchtypen A, B, und C – jeweils mit Untergruppen. A = eher leichte Brüche, B = mittelschwere Oberarmkopfbrüche und im Stadium C ist eine Humerusfraktur als meist als schwerwiegend einzustufen.
Eine weitere oft angewandte Einteilung ist die nach Hertel, welche sich an den vier Hauptsegmenten des Bruches ( Schaft, Kopfkalotte, grosser und kleiner Rollhügel )
und deren Kombinationen orientiert.

Veralteter Oberarmkopfbruch, links.
Was merkt man bei einem Oberarmkopfbruch ? ( Symptome )
Meistens deutliche Schmerzen und eine Einschränkung der Beweglichkeit in der betroffenen Schulter oder des Armes sind nach einem Sturz ein wesentliches und hinweisendes Zeichen. Es kann durchaus binnen Stunden oder Tagen manchmal ein ausgedehnter Bluterguss an der Schulter bzw. Arm auftreten.
Örtliche Druckschmerzen an der Schulter oder deren umgebender Weichteile treten ebenso regelmässig auf.
Die Schulter und der Oberarm können deutlich geschwollen sein und der Verletzte hält den Arm meistens deutlich angezogen am Körper / Brustkorb – bei gebeugtem Ellenbogen.
Wie erkennt man einen Oberarmkopfbruch ? ( Diagnostik )
Das am meisten eingesetzte Verfahren ist die Röntgenaufnahme, welche frontal, vereinzelt axial und oft als zusätzliche Y-Aufnahme ( schmerzschonendere Spezialprojektion ) aufgenommen wird. Unter Umständen kann es notwendig sein, besonders bei komplizierten Brüchen oder Oberarmkopfbrüchen mit mehreren Bruchstücken eine Computertomographie mit dreidimensionaler Rekonstruktion anzufertigen. Auch wenn ein Oberarmkopfbruch verspätet nicht ausheilt ( sog. Pseudarthrose ) ist der Schichtbildgebung sehr hilfreich in der Diagnostik.

Röntgen Oberarmkopfbruch
Wenn man den Verdacht hat, daß Begleitschäden wie z.B. Abrisse oder ein deutlicher Verschleiss der Rotatorenmanschette oder Ausrenkungen der Schulter vorliegen, kann es notwendig sein eine Kernspintomographie der Schulter ( Schichtbildgebung ) durchzuführen. Sie kann verzögert ebenso eingesetzt werden, wenn der Verdacht besteht, daß sich Komplikationen wie Durchblutungsstörungen am Oberarmkopf ( Humeruskopfnekrose ) eingestellt haben.
Die Ultraschalluntersuchung kann Hinweise auf Schäden an der Rotatorenmanschette liefern.
Die Szintigraphie wird eher selten, aber zur Abklärung von Durchblutungsstörungen ( Humeruskopfnekrose ) oder Pseudarthrosen ( nicht verheilter Knochen ) eingesetzt.

Wie wird ein Oberarmkopfbruch behandelt ? ( Therapie )
Nichtoperativ:
Viele Oberarmkopfbrüche ( circa 80% ) sind leicht x-förmig eingestaucht und stabil. Sie werden ohne Operation - mittels einer Ruhigstellung des Armes in einer Schiene ( Gilchristverband, Desaultverband, Traumaweste ) für 1 bis 2 Wochen, ggf. wenige Tage - behandelt. Regelmässig kann frühfunktionell behandelt werden und die Beweglichkeit der betroffenen Schulter / Armes frühzeitig freigegeben werden.
Die übrigen Brüche des Oberarmkopfes werden operiert. Eine Veranlassung zur operativen Stabilisierung ist beispielsweise gegeben, wenn mehrere Bruchstücke vorliegen, Gefässe und / oder Nerven durch den Oberarmkopfbruch gefährdet sind bzw. die Bruchstücke weit auseinander gesprengt sind.
Operativ:
Zunächst wird der Oberarmkopf unter Röntgendurchleuchtung oder offen vor Ort gerichtet / eingerenkt.

Winkelstabile Schraube
Zur operativen Stabilisierung eines Oberarmkopfbruches gibt es zahlreiche Verfahren. Gebräuchlich ist z.B. die Verplattung des Oberarmes mit oder ohne winkelstabilen Implantaten. Auch werden z.B. einzelne Schrauben oder Drähte - mit und ohne Drahtzuggurtungen - verwandt, um den Bruch des Oberarmkopfes zu stabilisieren. Selten kommt bei infizierten Oberarmkopfbrüchen ein äusserer Fixateur zum Einsatz.
Fortschritte in der Implantatechnik haben es mit sich gebracht, dass man Platten mittlerweile mittels spezieller Techniken minimalinvasiv, d.h. über kleine Schnitte einbringen und fixieren kann. Ebenso ist manchmal eine endoskopische Entfernung des verwandten Metalls möglich.

Winkelstabile Platte für Oberarmkopfbrüche
Eine Sonderform des Oberarmkopfbruches ist der Tuberkulum majus Bruch, d.h. der Bruch des grossen Rollhügels. Oft wird er nichtoperativ behandelt. Die Tolleranzbreite gegen Verschiebungen ist gering, da ein verschobener Bruch des Tuberkulum majus im Tunnel unter dem Schulterdach einklemmen und ein Impingement verursachen kann.

Tuberkulum majus Bruch

Wenn der Oberarmkopf durch den Bruch erheblich zertrümmert ist, kann es notwendig werden eine Schulterprothese oder inverse Prothese einzubauen. Eine Veranlassung zur Schulterprothese ist vor allem dann gegeben, wenn die Knorpelfläche des Oberarmkopfes durch den Bruch zerstört ist oder wenn eine Durchblutungsstörung des Oberarmkopfes ( Humeruskopfnekrose ) eingetreten ist, wenn es sich um viele Bruchstücke, einen weichen Knochen oder um eine zentrale Spaltung ( sog. Head Split Fraktuen ) handelt eingetreten ist. Generell ist der Trand den Knochen so gut wie möglich zu erhalten und mittels Platten, Schrauben und Nägeln wiederherzustellen. Genauso gibt es Situationen aber auch Situationen in denen man den gebrochenen Oberarmkopf nicht wiederherstellen kann und eine sog. Frakturprothese einbaut.
Wie ist die Prognose eines Oberarmkopfbruches ?
Das Ergebnis der nichtoperativen wie operativen Behandlung ist im Wesentlichen von dem erlittenen Bruchtyp abhängig. Unverschobene Brüche führen regelmässig zu befriedigenden Ergebnissen und Mehrfragmentbrüche verlaufen regelmässig für den betroffenen Patienten eher unbefriedigend. Weitere Faktoren, welche das Behandlungsergebnis u.a. bestimmen sind das Alter der Betroffenen und die Knochenqualität.
Wenn die Bruchstücke des Oberarmkopfbruches etwas verschoben verheilen kann mittel- bis langfristig ein Verschleiss an Schulter ( posttraumatische Omarthrose ) entstehen.

Röntgenbild einer sog. "intramedullary claw", einem von zahlreichen Fixierungsverfahren für Oberarmkopfbrüche.
Gibt es Komplikationen bei Oberarmkopfbrüchen ?
Eine immer wieder zu beobachtende Schwierigkeit ist das Nachsintern des gerichteten und fixierten Knochens. Dadurch verkürzt sich die Kopfhöhe und die Implantate können u.U. - relativ gesehen - zu kurz werden und ggf. mechanische Irritationen am Schultergelenk verursachen. Schrauben oder Drähte / Implantate können sich verlagern und müssen dann entfernt oder neu eingebracht werden.
Als unmittelbare Folge eines Oberarmkopfbruches kann es zu Verletzungen der Gefässe und / oder Nerven in der Schulterregion kommen – mit Durchblutungsstörungen oder Lähmungen.
Recht häufig ist eine Teileinsteifung des Schultergelenkens nach operativer wie auch nichtoperativer Versorgung zu beobachten. Wenn diese vom Betroffenen / Betroffener nicht toleriert wird, kann man mit der arthroskopischen Kapselspaltung, kombiniert mit einer Narkosemobilisation und nachfolgenden mehrwöchigen intensiven Krankengymnastik verhältnismässig gut Abhilfe schaffen.
Ein Oberarmkopfbruch kann – operativ oder nichtoperativ behandelt – u.U. nicht verheilen und sich ein sog. Falschgelenk = Pseudarthrose ausbilden, welches eine Stabilisierung notwendig machen kann.
Gefürchtet sind nach operativen Stabilsierungen Infektionen der operierten Schulter / des Oberarmkopfes, weil sie die Behandlungsverläufe für alle Beteiligten deutlich erschweren können.
Wie wird ein Oberarmkopfbruch nachbehandelt ? ( Rehabilitation )
Nichtoperativ Nachbehandlung und Verlauf:
Der gebrochene Oberarmkopf wird in einer Schlinge / Armverband ( Desaultverband, Gilchristverband, Traumaweste ) für wenige Wochen, u.U. nur einige Tage, ruhiggestellt und mit dem Krankengymnasten / Physiotherapeutin passiv sowie aktiv pendelnd geübt. Nach Abnahme der Schiene / des Verbandes kann aktiv unterstützend, mit Pendelbewegungen bzw. aktiv geübt werden.
Operative Nachbehandlung und Verlauf:
Der Krankenhausaufenthalt dauert etwa eine Woche. Man geht mit der Ruhigstellung und passiven wie aktiven Übungstherapie in ähnlicher Weise und Zeiträumen vor. Nach 1 Woche bis 10 Tagen kann mit Pendelübungen begonnen werden.
Das Metall ( Platten, Schrauben ) wird meistens nach circa einem Jahr entfernt - Drähte und Schlingen / Cerklagen eher.

Links: selbstschneidende Schraube ( kleineres Gewinde ); rechts: konventionelle Schraube.
Welche Risiken hat ein Oberarmkopfbruch ?
Ein Oberarmkopfbruch kann – nichtoperativ oder durch Operation behandelt – u.U. nicht verheilen und sich ein Falschgelenk ( Pseudarthrose ) bzw. verzögerte Knochenheilung entwickeln, besonders bei vorbestehender Osteoporose ( Knochenentkalkung ).
Durch den Oberarmkopfbruch selbst oder Operation kann es selten zu Verletzungen der Gefässe und / oder Nerven an der Schulter zu – Durchblutungsstörungen oder Teillähmungen – kommen.
Eine Schultersteife / Frozen shoulder mit mehr oder weniger ausgeprägter Bewegungseinschränkung der Schulter und des betroffenen Armes ist – mit und ohne Operation - manchmal zu beobachten.
Eingesetzte Schrauben können selten durch den Oberarmkopf hindurch ins Gelenk brechen.
Es kann sich selten eine Durchblutungsstörung des Oberarmkopfes ( sog. Oberarmkopfnekrose / Humeruskopfnekrose ) entwickeln.
Ein verschoben verheilter Tuberkulum majus Bruch führt zum mechanischen Impingement und Einklemmungen im Tunnel unter dem Schulterdach bei Anheben und Absoreizen des Armes.

Impingement durch Tuberkulum majus Hochstand wegen verschobener Verheilung.
Wie beugt man Oberarmkopfbrüchen vor ?
Vorbeugende Massnahmen - im engeren Sinne - gibt es gegen Oberarmkopfbrüche nicht. Die Behandlung einer Osteoporose oder allgemeine vorbeugende Sturzmassnahmen sind sinnvoll.
Fachbegriffe für den Oberarmkopfbruch ( Synonyme ):
Humeruskopffraktur, Oberarmkopffraktur, proximale Humerusfraktur, proximaler Humeruskopfbruch, subkapitale Humerusfraktur, subcapitaler Humerusbruch, Tuberkulum majus Fraktur, Tuberculum majus Bruch, Humeruskopfimpressionsfraktur, malgaignische Impressionsfraktur, subkapitale Oberarmmehrfragmentfraktur
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